Kassel

„The Pop Kids“: Exkursion der Studierenden des Instituts für Jazzforschung zur

19th Biennial Conference of the

International Association for the Study of Popular Music (IASPM)

 

Studierendenbericht von

Stefanie Drexler, Eva Krisper, Valentin Meneau, Alexandra Röck, und Christopher Suppan

 

Das Institut für Jazzforschung der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG) ermöglichte erstmals ausgewählten Musikologie-Studierenden im Rahmen einer Exkursion die Teilnahme an einer internationalen musikwissenschaftlichen Konferenz: Bei der IASPM-Konferenz handelt es sich um die weltweit größte Tagung im Bereich Popularmusikforschung, die alle zwei Jahre stattfindet und heuer vom 26. bis 30. Juni in Kassel (Deutschland) abgehalten wurde. Im Fokus standen zahlreiche Vorträge zu aktuellen Forschungsfragen rund um populäre Musik sowie der Austausch und die Vernetzung von WissenschaftlerInnen im Bereich der Popularmusikforschung und verwandter wissenschaftlicher Teildisziplinen.

Bereits um 5:15 Uhr früh traf sich die sechsköpfige Exkursionsgruppe am Grazer Flughafen, um die erste Station Frankfurt zu erreichen. Angesichts der Uhrzeit war man bemüht, bloß kein Gruppenmitglied zu verlieren und das für die Tagung eigens angefertigte wissenschaftliche Poster (Präsentation des Instituts für Jazzforschung an der KUG) im Auge zu behalten. Die Anreise verlief problemlos und komfortabel; wir Studierenden durften uns bei der nächsten Reiseetappe über reservierte Sitzplätze im Zug vom Frankfurter Flughafen nach Kassel freuen.

Studies in der Kasselbim; Foto: Christa Bruckner-HaringNachdem wir unser Reiseziel, den Veranstaltungsort im Kulturbahnhof Kassel, erreicht hatten, standen wir zunächst vor einem Rätsel: „Die Konferenz findet im Gebäude des Bahnhofs statt?“ Wider Erwarten gab es keine großflächige Beschilderung, keine Musikanlage, aus der Popmusik zu hören war – alles was wir antrafen, war eine Glastür, an der ein relativ unauffälliger Zettel mit der Aufschrift „IASPM 2017“ hing. Nach dem Austausch einiger fragender Blicke betraten wir den verlassenen Raum und stellten mit Erleichterung schließlich fest, dass wir einen kleinen Nebenraum mit den Hauptörtlichkeiten der Tagung verwechselt hatten. Schnell verschafften wir uns einen Überblick über das Programm und die Räumlichkeiten, in denen Vorträge zu folgenden sechs Schwerpunkten stattfanden:

-          Researching Popular Music

-          Analysing Popular Music

-          Teaching and Learning Popular Music

-          Remapping Popular Music

-          Narrating Popular Music

-          Technology and Popular Music

IASPM-Plakat; Foto: Stefanie DrexlerWir waren jedoch nicht nur als TeilnehmerInnen, sondern auch aktiv als externe MitarbeiterInnen an der Tagung beteiligt. Durch unsere Mitarbeit im Konferenzbüro wurde uns nicht nur die Tagungsgebühr erlassen, sondern wir konnten von Beginn Kontakte zu anderen TeilnehmerInnen knüpfen. Zu unseren Arbeitsaufgaben gehörte in erster Linie das Registrieren von TeilnehmerInnen: die Anmeldung, das Drucken von Teilnahme- und Zahlungsbestätigungen, das Verteilen von Namensschildern und sogenannten Goodie-Bags (Tasche mit Konferenzprogramm und Flugblätter zu diversen Informationen rund um die Tagung). Dass das WLAN vor Ort so gut wie gar nicht funktionierte war nicht besonders hilfreich für die KonferenzteilnehmerInnen. So mussten wir im Konferenzbüro einige — durchaus nachvollziehbare — Beschwerden entgegennehmen, waren aber dennoch darum bemüht, Lösungen für ein Problem zu finden, das es in der heutigen Zeit eigentlich nicht geben dürfte.

Am ersten Abend fand die „Welcome Reception“ der IASPM D–A–CH (dem deutschsprachigen Zweig der IASPM) im Rahmen einer gemeinsamen Poster-Präsentation mit dem Titel „Popular music research in Austria, Germany and Switzerland“ statt, bei der auch unser Poster über das Grazer Institut für Jazzforschung ausgestellt wurde. Etwas erschöpft von der Reise und den unzähligen Eindrücken, ließen wir den ersten Tag beim Abendessen mit alten und neuen Bekannten aus Graz, Wien und Paderborn ausklingen.

Gruppenfoto IASPM; Foto: Lena FürnkranzWährend der fünf Tage wurden insgesamt über 300 wissenschaftliche Vorträge von ProfessorInnen, DozentInnen sowie Master- und Doktorats-Studierenden verschiedenster Bereiche, darunter (Popular)Musik-, Sozial-, Kultur- und Sprachwissenschaften, Musikethnologie und Audio Engineering, aus aller Welt gehalten – dementsprechend variierten Fokus und Qualität der einzelnen Beiträge. Mitunter trafen wir auf Vortragende, die ihre wenig vorbildhaften Präsentationen eher Vor-„Lesungen“ gleichen ließen oder auf die grafische Darstellung der Vortragsinhalte vollkommen verzichteten. Unter anderem sahen wir Vorträge über Copyright und Songwriting, Genderklischees in einem Song der Chainsmokers, den Musikstil Grunge, quantitative Analysen von Musikvideos und Analysen zum Sound und der Musikproduktion in elektronischer Tanzmusik; wir hörten Beiträge mit Vortragstiteln wie „Voice in Popular Music, Modernity, Gender and Localization in Swedish 1960s Schlager, Fighting Gender Inequalities in Music, und Progressive Genres as a Paradoxe of Pop Culture“, vermissten jedoch ein größeres Angebot an Beiträgen zu Tanzmusik und Performance. Außerdem hätten wir uns über Arbeiten gefreut, die eine Interdisziplinarität des Fachs zur Anwendung bringen und Methoden des Post-Strukturalismus sowie Psychoanalyse verwenden. Angesichts des großen Angebots von acht parallel verlaufenden Sessions ist für uns positiv hervorzuheben, dass wir je nach theoretischem oder methodischem Interesse stets eine Vielfalt an Wahlmöglichkeit hatten.

Keynote Doehring IASPM; Foto: Christa Bruckner-HaringAls ein besonderes Highlight bleibt uns beispielsweise der gemeinsame Vortrag von André Doehring und seinen internationalen KollegInnen Samantha Bennett (Australian National University) und Ralf von Appen (Justus-Liebig-Universität Gießen) in Erinnerung: Zusammengefasst handelte es sich bei diesem Beitrag um Gruppenanalyse als method(olog)ische Vorgehensweise in der Analyse populärer Musik, welche die drei WissenschaftlerInnen inhaltlich gehaltvoll und unterhaltsam anhand eines Songs von den Pet Shop Boys „The Pop Kids“ demonstrierten.

Anschließend fand an diesem zweiten Abend – nach einigen Arbeitsstunden im Konferenzbüro und einem gemeinsamen Barbecue im Kulturbahnhof – noch ein gemütliches Zusammentreffen ehemaliger TeilnehmerInnen von zwei "International-Summer-Schools on Methods of Popular Music Analysis" statt; ein Format, das Doehring, von Appen und Helms erstmals 2011 eingeführt hatten und nun, da Analyse – erstmals auf einer IASPM-Tagung – eine eigene Sektion erhielt, allen die Möglichkeit zur Reunion in Kassel bot.

Der für uns letzte Konferenztag – wir reisten am 29. Juni ab – begann mit einer exklusiven Führung durch die Spezialausstellung zum „Punkrock in Kassel“ im Spohr Museum. Anschließend lauschten wir gebannt der Keynote Speech von Institutsvorstand André Doehring über die historisch bedingte separate Entwicklung der Popular Music Studies und der Jazz Studies, und das erstrebenswerte Synergiepotential beider Teildisziplinen – es folgte eine angeregte Diskussion vieler internationaler TagungsteilnehmerInnen.

Pantheon der Bücher; Foto: Christa Bruckner-HaringAm freien Nachmittag durfte ein Besuch im Bergpark Wilhelmshöhe nicht fehlen: Auf dessen befindet sich die berühmte Herkules-Statue, das Wahrzeichen der Stadt Kassel. Schließlich bestaunten wir am Abend vor unserer Rückreise auf dem Weg in die Innenstadt noch das „Pantheon der Bücher“, eine Hauptattraktion der gleichzeitig stattfindenden Kunstausstellung „documenta“.

 

 

Die IASPM-Konferenz erfüllte im Großen und Ganzen unsere Erwartung: nämlich in erster Linie, dass sie eine tolle Bühne für das Kennenlernen von interessanten Menschen ist. So konnten wir mit inspirierenden Personen sprechen, die wir davor nur aus den Autorenangaben von Texten zu unseren Forschungsinteressen kannten. Als äußerst bereichernd empfanden wir den Austausch über die vielen verschiedenen Möglichkeiten, wie man im internationalen Raum über Popularmusik forschen und die Ergebnisse vermitteln kann. Wir sind dankbar für diese tolle Chance und blicken zurück auf eine erfolgreiche Exkursion!