Prof. Dr. Michael Rappe (Hochschule für Musik und Tanz Köln, Deutschland) 18.10.2017, 18:00, Palais Meran, 1. Stock, Kleiner Saal

Diggin' Knowledge: Über Hip Hop forschen


Medial vermittelt und über die Kanäle kapitalistischer Verwertungsketten verbreitet, eignen sich Menschen auf dem ganzen Globus unterschiedliche kulturelle Praxen der globalen Popkultur Hip Hop an. In jeweils eigenen Versionen schaffen sie lokale Poesien, die oftmals im Wechselverhältnis zur Ursprungskultur stehen und gleichzeitig durch die gegenseitige, solidarisierende Wahrnehmung subalterner Erfahrungen mit Rassismus oder sozialer Benachteiligung Orte entstehen lassen, an denen, so der Kulturwissenschaftler George Lipsitz, Antworten auf die Zumutungen des globalen Kapitals formuliert und Experimente mit kulturellen und sozialen Rollen ermöglicht werden können.

Seit mehr als 35 Jahren beschäftigt mich Hip Hop: zunächst als Fan, später als aktiver Teil dieser Kultur, und seit 25 Jahren als Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung. Mein aktueller Forschungsschwerpunkt bezieht sich auf kulturelle Prozesse im Hip Hop: Ein bestimmter Beat oder ein Sample, eine bestimmte Tanzbewegung ist nie nur eine ästhetische Entscheidung. Dabei wird von der Verbundenheit mit der Kultur, von Orten der Praxen oder von Zugehörigkeiten erzählt. Ausgehend von der Frage, wie im Hip Hop gelernt wird, und auf der Grundlage von Feldstudien, Interviews und der Grounded Theory Method (GTM), untersuchen meine Kollegin Christine Stöger und ich Wechselwirkungen zwischen ästhetischer Praxis, sozialer Interaktion und kultureller Vergemeinschaftung.

In meinem Vortrag möchte ich die unterschiedlichen Stationen meiner Auseinandersetzung mit der Hip Hop-Kultur als eigenen Bildungsprozess nachzeichnen, der sich anhand von drei Fragen beschreiben ließe: Was ist Hip Hop? Wie bedeutet Hip Hop? Was gestaltet Hip Hop?

Michael Rappe ist Professor für Geschichte und Theorie der Populären Musik an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Er studierte in Kassel Soziologie, Biologie und Musik und war als Kulturmanager, Rapper, Trompeter, Musikpädagoge und DJ tätig. Schwerpunkt seines wissenschaftlichen und publizistischen Arbeitens ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte, der Ästhetik und den soziokulturellen Bedingungen afrodiasporischer Musikkulturen – vom Blues über Jazz bis zum Hip Hop. Zurzeit untersucht er gemeinsam mit der Musikpädagogin Christine Stöger Aneignungs- und Bildungsprozesse im Breaking (Breakdance).

Publikationen und weitere Informationen:  www.michael-rappe.de.