39. Radio Jazz Research-Tagung (Verschoben - neuer Termin wird bekanntgegeben)

Sozialgeschichte im Jazz. In Erinnerung an den Musiker und Musikwissenschaftler Ekkehard Jost      

39. Radio Jazz Research-Tagung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Jazzforschung an der Kunstuniversität Graz
4.–6. Juni 2020

Ein Grundstein deutschsprachiger Jazzforschung ist in Graz zu finden, wo nach der Gründung des ersten europäischen Instituts für die akademische Ausbildung im Jazz 1965 schließlich die Jazzforschung 1969 mit einer Konferenz und der Gründung der Internationalen Gesellschaft für Jazzforschung aus der Taufe gehoben wurde. Einen zweiten Grundstein legte kurz darauf Ekkehard Jost (1938-2017) an der Universität Gießen, wo er 1973 zum Professor berufen wurde. Jost hatte mit seiner Habilitationsschrift Free Jazz, der ersten jazzbezogenen Habilitation im deutschsprachigen Fach und der weltweit ersten über den noch jungen Free Jazz, die bis dato vorherrschende musikwissenschaftliche Analyse durch sozialgeschichtliche Argumente erweitert. Als Konzept der Jazzforschung stellte er seinen sozialgeschichtlichen Ansatz schließlich in der Sozialgeschichte des Jazz in den USA (1982) vor. Beide Bücher sind Standardwerke und – das ist nicht selbstverständlich – bis heute erhältlich.

Jost kam aus der sich um Hans-Peter Reinecke in Hamburg und Berlin bildenden jungen Systematischen Musikwissenschaft und brachte einen entsprechend gepackten Werkzeugkasten mit, in dem soziologische und historische Blickwinkel ebenso selbstverständlich enthalten waren wie psychologische, physikalische und politische. Er regte daher früh im deutschsprachigen Raum einen multiperspektivischen Blick auf Jazz an, wie ihn dann die sich seit den 1990er Jahren im anglophonen Raum entwickelnden Jazz Studies zur Notwendigkeit erklärten.

Die Tagung stellt das musikwissenschaftliche und jazzmusikalische Wirken Ekkehard Josts in den Mittelpunkt. Dass sie in Graz stattfindet, liegt auf der Hand: Zum einen ist Jost seit seiner Teilnahme an der ersten Grazer Tagung 1969, seiner in den Grazer „Beiträgen zur Jazzforschung / Studies in Jazz Research“ 1974 zuerst publizierten englischen Free Jazz-Ausgabe sowie aufgrund persönlicher Freundschaften dem Grazer Institut stets verbunden geblieben. Zum anderen hat er dem Institut für Jazzforschung, das heute von seinem ehemaligen Studenten André Doehring geleitet wird, seinen musikalischen und musikwissenschaftlichen Nachlass vermacht. Dieses „Ekkehard Jost-Archiv“ wird im Rahmen des Symposiums feierlich eröffnet werden.

Das Programm finden Sie hier
und online unter https://radiojazzresearch.de/de/39-arbeitstagung-in-graz-05-und-06-mai-2020-ekkehard-jost/