André Rottgeri (12.06.2017)

Von Chiquinha Gonzaga zu Anitta: Repräsentationen von sich wandelnden Frauenbildern in der populären Musik Brasiliens

Seit der Entdeckung Brasiliens durch den portugiesischen Seefahrer Cabral (1500) haben sich die Rollen von Frauen in der brasilianischen Gesellschaft stark verändert. Obwohl Frauen in der Kolonialzeit noch stark von ihrer Herkunft bzw. Hautfarbe abhängig waren, haben Begriffe wie „Emanzipation“ und „Feminismus“ heute auch in Brasilien einen großen Stellenwert. Meilensteine auf dem Weg der Veränderung waren beispielsweise die Abschaffung der Sklaverei durch die Prinzregentin Isabella (1888) oder die Wahl von Dilma Rousseff zur ersten Präsidentin des Landes (2011).
In diesen Zusammenhängen versteht sich der Vortrag als eine Einführung in die brasilianische (Musik)Kultur. Dabei wird auf unterschiedliche Frauenbilder in der populären Musik des Landes eingegangen und im Kontext der historischen und gesellschaftspolitischen Veränderungen einige Künstlerinnen genauer vorgestellt. So zum Beispiel die berühmten „Donas“, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ihren Häusern Samba-Konzerte organisierten (Hertzmann, 2013). Eine besondere Rolle kommt – in Bezug auf die Emanzipation – hier vor allem der Choro-Komponistin Chiquinha Gonzaga zu. Auch Carmen Miranda, die das exotische Bild Brasiliens in die Welt exportierte und die brasilianischen Superstars der 1990er und 2000er Jahre wie z.B. Daniela Mercury und Ivete Sangalo werden behandelt. Des Weiteren wird auch auf das Frauenbild in einigen ausgewählten Genres wie z.B. dem Funk Carioca eingegangen, um ein möglichst umfassendes Spektrum von weiblichen Repräsentationen vorstellen zu können.